Große Putzaktion – Hasselblad, Teil 2

Hier die letzten Impressionen aus der Ich-reinige-meine-Hasselblad Reihe. Ich erinnere mich gerade, wie es dazu kam: also, es war der erste kalte Tag im Jahr 2021 und ich sprang mit dem Schmuckstück im Kiez herum, weil ich für irgendeine Contentmarketingaktion frische Motive suchte.

Dann stellte ich fest, dass das Biest in der Mechanik klemmte (Kälteproblem?) und voller Frust lief ich wieder in das Büro, baute die Kamera auseinander, bereinigte das Problem und fand Gelegenheit, das grundlegend zu reinigen.

Ich werde öfters nach der Ausstattung gefragt: Body ist Hasselblad 500C, Objektiv ist das CarlZeiss Planar 1:3,5 und ich verwende auch eine Acute Matte. Irgendwie denke ich mir, dass ich hier ein wahres Schnäppchen geschossen habe, weil gerade die Scheibe auf eBay durchaus um die 300EUR kosten kann. Völlig irre.

Kiev80, meine russische Mittelformatkamera

Ich komme leider erst heute dazu, dieses Schönheit hier zu veröffentlichen. Sie trägt tatsächlich den Namen „Olga“, wobei ich den nicht vergeben habe. Das war Marta. Marta stammt aus Australien und lief mir in der „Dorfkneipe“ („le petite Franz“) über den Weg. Wir lachten ein paar Mal zusammen und stellten gemeinsam fest, dass die Kamera sehr formschöne „Rundungen“ hat und dass eben der Nickname „Olga“ passt. Witzig ist auch: die Hündin des Dorfkneipenbesitzers hört ebenfalls auf den Namen „Olga“.

Wie auch immer: ich habe das Teil 2019 irgendwo in den Untiefen der Bucht gefunden, lieb gewonnen und für ~130EUR erstanden. Das war damals die Zeit, als ich mich intensiver mit Mittelformat beschäftigte und kein Interesse am Erwerb einer Hasselblad entwickeln konnte.

Die Kiev ist ein sehr gutes und sehr robustes Modell. Sie ist allerdings auch sehr schwer und in der Bedienung merke ich immer wieder, dass die Russen „damals“ kein gutes – naja – „Gefühl“ für Produktdesign hatten. Wenn ich bspw. den Auslöser betätige, spüre ich einen leichten Rückstoß. Ich habe ein paar Mal darüber nachgedacht, das Ding zu verkaufen oder zu verschenken, habe mich aber mit der Optik quasi „verheiratet“. Die Linse ist definitiv sehr gut und die Kamera ist auch deswegen interessant, weil die die Magazine und Sucher der Hasselblad problemlos akzeptiert.

Meine „Olga“ etablierte sich auch als „Magnet“. Sprich: interessante Menschen (spez. Damen) zeigten gern im letzten Sommer auf mich und sprachen mich an: „Das ist aber eine tolle Kamera, darf ich die mal halten?“. Ich fand das witzig und fühlte mich an Klischeesituationen mit Hunden oder kleinen Kindern erinnert.

Erste erfolgreiche Entwicklungen von Farbfilmen

Obwohl ich mich eigentlich primär mit der S/W-Entwicklungstechnik beschäftige, empfand ich immer eine gewisse Faszination für Farbfilme und deren Handhabung. Natürlich spielen auch hier gewisse Kostenüberlegungen eine Rolle: immerhin bietet mir mein lokales DM-Geschäft 3 Farbfilme für ca. EUR 8 an (Vergleich: 3x S/W -> ca. EUR 15).

Inspiriert vom Artikel „Mein erster Farbfilm“ besorgte ich mir in der „Bucht“ das TETENAL COLORTEC C-41 Negativ -KIT für ca. EUR 40 (inkl. Versand).

Nach einer angenehm kurzen Wartezeit machte ich mich an den Ansatz der Entwicklerlösung. Dieser verlangt natürlich von mir drei 1-Liter-Braunglasflaschen (lässt sich auf eBay besorgen, alternativ: Flohmarkt). Das Tetenal-Kit liefert mir also: 1 x Negativentwickler, 1 x Bleichentwickleransatz und 1 x Stabilisierungsbadansatz. Natürlich muss ich an der Stelle gestehen, dass mein Wissen zur konkreten Chemiewirkung extrem gering ist.

Hier nun die Zusammensetzung der jeweiligen Lösungen für die Entwicklung von 2 Farbfilmen in der Dose

Farbentwickler: 700ml Wasser, 100 ml Farbentwickler Part 1, 100 ml Farbentwickler Part II und 100 ml Farbentwickler Part III = 1000ml

Bleichfixierbad: 800ml Wasser, 200ml BX Part I und 200ml BX Part II = 1000 ml

Stabilisierungsbad: 900ml Wasser und 100ml der Stabilisierungschemie = 1000 ml

Selbstverständlich werden die Flaschen noch beschriftet.

Die weitere Vorgehensweise ist nun so:
Ich deponiere die Entwicklerdose (auseinandergebaut) inkl. der befüllten Flaschen in einen großen Plastikbehälter (bekommt man im Baumarkt, bei Tedi etc.) und fülle Diesen mit 30° heißem Wasser. Hier wird gewartet, bis die Dose und die Flaschen die Umgebungstemperatur des Wassers angenommen haben.

Nach Einspulen der Negative bei Dunkelheit (!) und Verschliessen der Dose wird die Dose mit dem Farbentwickler befüllt. Die nachfolgende Prozedur sieht so aus: 8 Minuten lang muss die Dose im 30Sekundenintervall gekippt werden (auf den Kopf stellen). Nach dieser Zeit wird die Entwicklerflüssigkeit in die entsprechende Flasche zurück geführt und es folgt die Bearbeitung mit dem Bleichfixierbad: diese dauert 6 Minuten mit 30Sek Kippintervall. Mit Abschluss landet die Fixierchemikalie natürlich auch wieder in der jeweiligen Flasche. Nach dem Fixierprozess wird die Dose 6 Minuten lang mit fließendem Wasser gespült und dannach 1 Minute (1x Kippen) mit dem Stabilisierungsbad bearbeitet.

Damit wäre die Negativentwicklung soweit abgeschlossen. Gut: es fehlt natürlich noch das abschliessende Wässern unter Verwendung eines Netzmittels wie Spüli.

Die Zenit EM mit dem Helios

Ich muss gestehen, dass ich bis vor einem Monat rein gar nichts von diesem Kameramodell wusste und eigentlich fand das Stück seinen Weg durch puren Zufall in meine Wohnung: ich lernte eine reizende ältere Dame kennen, die mir eigentlich nur das Helios verkaufen wollte.
Beides kostete mich erstaunlich wenige 60 Euro.
Das Objektiv kannte ich von einigen Recherchen zu Erweiterungsmöglichkeiten meiner Canon 600D (Unbedingt bei eBay und Amazon nach M42 / M44 Adapter recherchieren!) und mich hatten die Werke diverser Fotokünstler_innen immer mehr als beeindruckt. Wie auch immer:
Die Zenit ist derzeit mein Hauptwerkzeug und ich mag diese Kamera wegen der folgenden Eigenschaften:
– extrem robust
– richtig schön schwer (ca. 1.2 kg)
– sehr genaue (halb)automatische Feinjustierung der Belichtungszeiten auch mit Hilfe der eingebauten Fotozelle
Etwas komplizierter – oder ungewohnter – war für mich das Einlegen von Filmen und das Herausnehmen der belichteten Negative und da verschaffte ich mir die notwendigen Informationen via Youtuberecherche:
Unloading Zenit EM Camera
Zenit E Loading a Film, Shooting and Rewinding