Gedanken zu Instagram

Nach etwas über 6 Jahre Aktivität auf Instagram, habe ich mich zu einem Rückzug von der Plattform entschieden. Das hat viele Gründe: ich durfte in dem Universum einige wahnsinnig gute Künstler:innen kennen lernen, ich wurde inspiriert, ich wurde nicht inspiriert und ab einem ziemlich interessanten Zeitpunkt sah ich mich in der Spirale des Systems:

„Du bist nur gut, wenn Du eine extreme Reichweite hast!“.

Ich fand diese Logik durchaus interessant, denn: hey – hohe Reichweite bedeutet ja auch viele Fans, die mir folgen und die meine Motive konsumieren und sich inspiriert fühlen! Selbstverständlich entdeckte ich auch, dass sehr viele Menschen auch anfingen, sich mit LITH, mit Wasted Films oder auch mit Soaked Films zu beschäftigen.

Aber ich beobachtete auch die Schattenseiten in diesem Spiel, wo ich ein Teil war: ab einem gewissen Reichweitenwachstum war ich nicht mehr frei. Ich sah eine Wechselwirkung zwischen Bildsprache / Technik und Interaktionen. Sprich: ich bediente einen Markt. Nun fragte ich mich, ob ich bei einer simplen Marktbedienung ein Künstler, oder ein Teil der Kulturindustrie bin und hier als Dienstleister funktioniere.

Es ist völlig okay, als Dienstleister zu funktionieren, es ist auch in Ordnung, die Existenz auf Unterhaltung einer Fanbase / einer Filterblase auszurichten und ich habe das sehr lange und sehr intensiv genau in dem Schema betrieben.

Das war auch schön! Natürlich war das schön und befriedigte meine persönliche Eitelkeit, als plötzlich die Menschen sagten: „Wow – diese Reichweite!“ und „Du bist toll!“. Nun denke ich etwas spezieller und ich fragte die Gründe ab. Ich redete mit den „Fans“ und bekam in den meisten Fällen keine konkreten Rückmeldungen zu den Motiven, warum man meine Bilder „mag“ und warum man „Fan“ ist. Kurzum: ich sah in den meisten Fällen keine Verbindung zu meiner Kompetenz. Ich fragte mich, welchen konkreten Mehrwert virtuelle Lobes- und Liebesarien dann hat, wenn ich von einer großen, grauen und nicht greifbaren Masse grundsätzlich nur konsumiert werde, weil die Zahlen so schön aussehen!

Mh. Dann gibt es eine weitere Geschichte, die sich in meinem Broterwerbsjob befindet. Das ist der Datenschutz, die Datensicherheit und die vielen VIELEN Kritikpunkte an dem Komplex „Facebook“. Irgendein Projekt führte mich einmal zu der Frage „Wieviele Accounts auf Instagram sind überhaupt reale Menschen?“. Ich fand damals eine gute Monitoringlösung und ich kann meinen Leser:innen nur den Rat geben, davon auszugehen, dass Facebook / Instagram das Botproblem niemals in den Griff bekommen kann und sicherlich auch nicht in den Griff bekommen möchte. Also sollte man sich fragen, wieviel Sinn eine starke und öffentliche Aktivität auf dieser Plattform überhaupt macht.

In Summe ziehe ich eine realistische Bilanz zu der Plattform. Man kann die nutzen, man kann die auch intensiv (be)nutzen, aber nur unter den Bedingungen:

  1. Man ist ein Selbstdarsteller
  2. Man hat sehr viel Zeit für die Interaktion mit Fans
  3. Man hat keinerlei Probleme damit, Aspekte der eigenen Persönlichkeit und des eigenen Lebens zu _verkaufen_.
  4. Man hat ein Gespür für Märkte und ist sich absolut bewusst, dass man eine gewisse minimale Profitchance (Ausstellungen, Verkäufe) hat, wenn man ganz genau das abliefert, was die Märkte zu sehen wünschen.
  5. Man begreift sich als Teil der Kulturindustrie! (Ganz wichtig!)
  6. Man bindet das eigene Ego an Zahlen (Fans, Likes etc.)

Sucht man also:

  1. Richtige Rückmeldungen inkl. Diskussion mit Kunstkonsument:innen
  2. Inspiration
  3. Extrem gute, profitable und auch harte Kritik (Technik, Bildsprache, Materialien)

ist man auf Instagram völlig falsch platziert und ich rate zur „richtigen Welt“! 🙂

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